• Panorama

    Panorama

  • Orgel

    Orgel

  • Wandbild

    Wandbild

  • Kirchenpanorama

    Kirchenpanorama

Predigten

Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias, 31.1.2021 von Pastor Ralf Halbrügge

 

Predigttext: 2. Petrus 1,16-21 (aus: "Basisbibel")

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Bruder Jesus Christus, Amen.

Liebe Gemeinde,

war schon mal jemand von euch damit konfrontiert, dass zu euch gesagt wurde: "Du mit deinem Glauben an Gott und mit deinem Bibellesen. Das ist doch alles Erfindung" Ich erlebe das oft, dass Menschen zu mir sagen: Ich glaube schon irgendwie an Gott, aber an die Geschichten der Bibel kann ich irgendwie nicht richtig glauben. (Verwandlung von Wasser in Wein, Jesus geht auf dem See, er heilt Kranke und macht Tote wieder lebendig, seine Auferstehung etc., Leben nach dem Tod, Paradies)

"Klug ausgedachte Geschichten“ so haben Menschen seit Beginn des Christentums über die Erzählungen von Jesus geredet. „Den Leichnam haben sie selbst gestohlen“, so sagte man nach der Auferstehung. „Sie haben zu viel Wein getrunken“ hieß es beim Pfingstwunder. "Die Auferstehung von Jesus war nicht echt", sagten später manche in den ersten Gemeinden. „Du glaubst das doch nicht ernsthaft? Das ist doch wissenschaftlich gar nicht beweisbar!“ heißt es heute. Sind wir ein bisschen gaga? Sind wir nur naiv, fallen wir nur auf klug ausgedachte Geschichten rein, wenn wir glauben, dass da mehr war als nur eine ganz normale Lebens- und Todesgeschichte?

Manche sagen ja: Covid-19 ist doch der Beweis dafür, dass es Gott nicht gibt oder wenn es ihn gibt, warum hilft er uns denn nicht?

Wenn wir uns umhören, wenn wir Fernsehen gucken, wenn wir Zeitungen lesen, wenn wir mit Menschen sprechen, dann scheint es so vieles zu geben, was gegen Gott spricht und was gegen die Geschichten und Erzählungen der Bibel spricht. Glaubst du, dass diese Gedanken neu sind? Nein, sie sind alt. Von Anfang an waren die Jünger Jesu und alle, die ihm nachfolgten, Kritik ausgesetzt, Hohn, Spott und Angriffen von denen, die nicht glauben konnten oder wollten und von denen, die sich über Jesus lustig machten und über diejenigen, die seine Botschaft in die Welt trugen.

Der 2. Petrusbrief gibt davon Zeugnis und wehrt sich gegen Vorwürfe, die Jesus-Geschichte sei doch nur ausgedacht, nicht wahr.

2. Petrusbrief,16-21("Basisbibel")

Propheten und Apostel bezeugen, dass Christus wiederkommen wird

Wir haben euch ja angekündigt, dass unser Herr Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen.

Von Gott, dem Vater, empfing er seine Ehre und Herrlichkeit –aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu ihm, die sagte:»Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.«

Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren.

So gewinnen die prophetischen Worte für uns noch an Zuverlässigkeit. Und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet. Denn diese Worte sind wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht.

Ihr sollt vor allem eines wissen: Kein prophetisches Wort aus der Heiligen Schrift lässt eine eigenmächtige Deutung zu.

Denn keines dieser Worte wurde jemals verkündet, weil ein Mensch es so gewollt hätte. Vielmehr waren Menschen vom Geist Gottes ergriffen und haben in seinem Auftrag geredet.

Petrus schreibt: "Und dabei haben wir uns nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen."

Wir haben ihn gesehen. Wir waren dabei. Petrus war mit auf dem Berg als Jesus "verwandelt" wurde

Wo Martin Luther mit dem eigenartigen deutschen Begriff "Verklärung" übersetzt, steht das griechische Wort "metamorphoo" und das bedeutet: Verwandeln, Umgestalten, in eine andere Form bringen, die Gestalt verändern.

Wir kennen Metamorphose aus dem Biologie-Unterricht: Klassische Beispiele von Tiergruppen mit Metamorphose sind die Froschlurche (Umwandlung der aquatischen Kaulquappe zur terrestrischen Form) und die Insekten (z.B. die Umwandlung einer Raupe über die Insektenpuppe zum Schmetterling).

Petrus sagt: Vor unseren Augen wurde Jesus verwandelt, wir haben seine Metamorphose direkt mit eigenen Augen gesehen und wir haben alle die Stimme Gottes gehört, die zu ihm gesagt hat: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude(Wohlgefallen)".

Wir waren dabei. Alles ist wahr!

Wir leben in Zeiten, in denen selbst innerhalb der Theologie und der Kirche, die biblischen Berichte und Erzählungen relativiert, umgedeutet, dem Zeitgeist angepasst und verwässert werden. Man müsse die Texte aus der Zeit heraus verstehen, man müsse sie symbolisch deuten, man dürfe die Texte nicht eins zu eins auf heute übertragen und außerdem dürfen wir den Leuten ja nicht allzu viel zumuten.

Ich sage euch: Wenn wir das tun, dann verraten wir unseren Herrn. Dann pusten wir das Licht, das durch sein Evangelium in diese Welt gekommen ist, immer weiter aus. Und irgendwann ist es ganz dunkel.

Petrus schreibt: "Denn diese Worte(=sein Evangelium, seine frohe Botschaft) sind wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht."

Darum geht es, liebe Freundinnen und Freunde. Das Wort Gottes, durch Jesus Fleisch geworden und in unsere menschliche Welt gekommen, ist die Wahrheit. Das Leben und Wirken von Jesus ist nicht das Leben und Wirken irgendeines armen Wanderpredigers aus Galiläa, der am Ende am Kreuz gescheitert ist.

Das Leben und Wirken von Jesus ist das Leben und Wirken des Sohnes Gottes, unseres Retters, unseres Herrn. Und er ist nicht gescheitert, sondern er hat für uns alle das Tor zur Ewigkeit geöffnet. Es geht hier in der Bibel nicht um ausgeklügelte Fabeln, nicht um erfundene Geschichten, zwischen diesen beiden Buchdenkeln stehen nicht Grimm's Märchen, sondern hier steht das wahre Wort Gottes und mit ihm die Einladung an uns alle, in Ewigkeit mit Gott zu leben.

Und dieses Wort, das Wort Gottes, schreibt Petrus, "ist wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht.

Das Wort Gottes, die Botschaft, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, der uns alle zu einem neuen, veränderten Leben mit sich einlädt, ist wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt. Wo Menschen krank sind, im Sterben liegen, wo Menschen Angst haben, sich Sorgen machen um ihre Zukunft, wo Menschen im Streit miteinander sind, wo Menschen nicht mehr wissen, wie es mit ihnen weitergehen soll, da muss dieses Licht, das mit Jesus in unsere Welt gekommen ist, brennen, leuchten, neue Hoffnung geben.

Und dann bricht ein neue Tag an, die Dunkelheit wird besiegt sein und der Morgenstern geht in unseren Herzen auf. Das Licht Gottes, durch Jesus zu uns gekommen, leuchtet in uns. Wir sind Erleuchtete, wir sind Menschen, die eine Metamorphosse durchmachen, die verändert werden, die eine neue Strahlkraft bekommen. gerde jetzt in der Pandemie brauchen wir Menschen, die das Wort Gottes als wahr erlebt haben und die Botschaft zu Fremden, Nachbarn, Kollegen, ins Dorf bringen, durch Gebete, Telefonate, Besuche an der Haustür, Briefe.

Das, was wir weitertragen dürfen, sind keine ausgeklügelten Fabeln, sondern es ist die Wahrheit Gottes, das Evangelium von Jesus Christus. Und vielleicht ist das, was die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes da oben auf dem Berg mit Jesus erlebt haben, das, was uns eines Tages auch bevorsteht:

Dass wir verandelt werden für immer: Wir werden strahlend weiß, leuchtend und hören die Stimme Gottes, unseres Vaters, so klar und eindeutig wie nie zuvor. Petrus will da oben bleiben. So schön ist es. Doch Jesus geht mit ihnen nach diesem Gipfelerlebnis wieder runter, in die Welt des Alltags mit allen ihren Dunkelheiten und ihrem Leiden. Weil er das Licht, sein Licht, das Licht des Vaters, zu uns allen bringen will und er eine Mission zu erfüllen hat.

Eines Tages wird er wiederkommen. Wir werden ihn sehen und die Macht Gottes zu spüren bekommen. Das ist die Botschaft der Bibel. Und darauf müssen wir vorbereitet sein. Der Morgenstern wird in unseren Herzen aufgehen, wenn wir uns mit Jesus verbinden.

Ich möchte euch eine kleine Geschichte vorlesen, die deutlich macht, dass einer, der an Gott glaubt, anders sieht, anders lebt und auch anders stirbt:

"In einem Krankenzimmer lagen zwei Männer. Beide waren ans Bett gefesselt, aber der eine hatte das Glück, den Fensterplatz zu haben, während der andere nur auf die Wände sehen konnte und ein wenig auch auf den Himmel. An einem wunderschönen sonnigen Tag bat er den Mann am Fenster, ihm zu erzählen, was er denn da draußen sah. Und er erzählte ihm von einem wunderschönen grünen Park, in dem gerade die ersten Bäume und Blumen blühten, er erzählte vom Liebespaar, das unbeschwert und fröhlich durch den Park schlenderte, von den Kindern, die miteinander Wettrennen machten und von dem Hund, der großen Spaß daran hatte, den geworfenen Ball immer wieder zu bringen. Er erzählte von den Vögeln, die ihre Nester bauten und den Menschen, die sich trafen und unterhielten und manchmal auch stritten. Von nun an bat er den Mann am Fenster jeden Tag, ihm zu erzählen und das tat er so schön, dass er sich alles bestens vorstellen konnte und plötzlich seine Welt viel größer wurde als dieses Krankenzimmer. So ging es eine ganze Zeit lang, bis eines Morgens das Bett mit dem Mann am Fenster verschwunden war. Was ist los, fragte er erschrocken. Und er bekam die traurige Nachricht, dass der Mann am Fenster heute Nacht gestorben war. Nun blieb ihm nur noch die Möglichkeit, selber aus dem Fenster schauen zu können und darum bat er die Schwestern, sein Bett zu verschieben. Wie erstaunt war er, dass er nur auf eine graue Betonwand blickte."

Liebe Gemeinde, die wahre Geschichte von Jesus Christus lässt uns prophetisch schauen. Sie lässt uns anders blicken, anders sehen. Und in demjenigen, in dem das Licht Jesu leuchtet, der sieht durch graue Wände hindurch, der sieht die Schönheiten des Lebens - trotz allem - und der stirbt auch anders.

In der Nachfolge Jesu hoffen wir mehr, glauben wir mehr, sehen wir mehr als vor Augen ist und bringen Licht an die dunklen Orte des Lebens,

Amen  

Orgelmusik

Predigt am 24.1.2021, 3. Sonntag nach Epiphanias von Pastor Ralf Halbrügge

 

Text: Rut 1,1-19a
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn und Bruder Jesus Christus, Amen.

Liebe Gemeinde,
es gibt Geschichten und Texte der Bibel, die vielen von uns sehr vertraut sind. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir Weihnachten gefeiert und zum wievielten Male die Erzählung von der Geburt Jesu gehört? Oder denken wir an die Gleichnisse, die Jesus erzählt: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter oder vom verlorenen Sohn. Oder denken wir an Psalm 23 oder die Seligpreisungen, die wir schon so oft gehört haben.
Heute aber ist ein Predigttext vorgeschlagen, der den meisten von uns nicht besonders vertraut sein dürfte. Er steht im Alten Testament, im Buch Rut. Dieses Buch umfasst nur 4 Kapitel. Es steht zwischen dem Buch der Richter und den deutlich bekannteren Samuelbüchern, die die Geschichte des berühmten Königs David erzählen.


Das Buch Rut nun wird kaum jemand von euch jemals gelesen haben. Und vielleicht hat es in der Vergangenheit auch ein Schattendasein geführt, weil es nicht - wie sonst so oft - von starken Männern handelt, die sterben in der Geschichte nämlich fast alle, sondern von starken Frauen. Und in der Tatsache, dass sich die Frauen auch innerhalb zumindest der evangelischen Kirche emanzipert haben, es mittlerweile wohl mehr Pastorinnen als Pastoren gibt und auch die Theologinnen an den Universitäten immer zahlreicher geworden sind und die Gendergerechtigkeit innerhalb unserer Kirche ein hohes Gut darstellt, liegt wohl begründet, dass bei der Neuordnung der Predigttexte eben auch die Frauengestalten der Bibel stärker als früher in den Fokus gerückt wurden.


Und das ist auch gut so, denn was wären wir Männer ohne starke Frauen in unserem Leben?


Auch wenn die Gendergerechtigkeit in der Zwischenzeit zu sprachlichen und grammatikalischen Ausuferungen geführt hat, bei denen sich mir die Nackenhaare hochstellen, doch das können wir heute nicht diskutieren.
Kümmern wir uns lieber um Rut und ihre Geschichte. Sie ist auch deswegen interessant, weil Rut die Ugroßmutter des berühmten David ist und als eine von drei Frauen im Stammbaum Jesu im Matthäus-Evangelium erwähnt wird und insofern als Vorfahrin des irdischen Jesus von Nazareth angesehen wird.


Die Geschichte Ruts ist uralt. Sie hat gelebt, noch bevor es in Israel Könige gab, zur Zeit der Richter. Die Richter waren eine Art lokaler Fürsten und Heerführer, die die Stämme Israels gegen Feinde verteidigen sollten.
Das Buch Rut erzählt vom Schicksal einer jüdischen Familie, die einer Hungersnot wegen aus Bethlehem in Juda ins benachbarte Moab auswandern muss. Noomi (eine der Hauptgestalten der Novelle) und ihr Ehemann Elimelech ziehen mit ihren beiden Söhnen Machlon und Kiljon in die Fremde, wo bald danach Elimelech stirbt. Die Söhne heiraten zwei moabitische, heidnische Frauen, Rut und Orpa. Sie bleiben aber kinderlos. Nachdem auch die Söhne gestorben sind, bleibt Noomi als verwitwete Frau mit ihren nun ebenfalls verwitweten Schwiegertöchtern allein zurück.


Noomi, als Israelitin, in der Fremde, in der damaligen Zeit als Witwerin, unversorgt, ohne Perspektive, will wieder zurück in die alte Heimat. Bis zur Grenze wird sie begleitet von ihren ebenfalls verwitweten Schwiegertöchtern, Orpa und eben Rut.

Und dann beschreibt der Text eine wirklich sehr bewegende Szene, die ich Ihnen vorlesen möchte und die aus unserem Predigttext von heute stammt, der viel zu lang ist, um ihn in Gänze vorzulesen. Die drei Frauen sind also durch Moab Richtung Israel gezogen. Voller Leiden, das Herz ist schwer, will und muss sich nun Noomi von ihren beiden Schwiegertöchtern verabschieden. Es wäre wohl ein Abschied für immer.

Ich lese ab Rut 1, Vers 8:
Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 0und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.
Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.
Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Liebe Gemeinde,
es gibt Situationen in unserem Leben, in denen wir schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen. Und manchmal hat eine Entscheidung Auswirkungen auf das ganze Leben.
Ich kenne Menschen, die nicht in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen, weil sie unsicher sind, weil sie lieber anderen die Entscheidung überlassen, weil sie von einer tiefsitzenden Angst befallen sind, Fehler zu machen oder anderen weh zu tun. Mir tun diese Menschen leid, weil sie eigentlich nie erwachsen werden. Wir reifen doch erst an den Entscheidungen, die wir selber treffen und an den Konsequenzen für unser Leben. Wenn immer nur andere über unser Leben bestimmen, bleiben wir immer unmündig und sind Menschen, die man nur bedauern kann.


Rut trifft eine Entscheidung, die ihr ganzes weiteres Leben beeinflusst. Und es ist eine mutige Entscheidung. Und eine zutiefst menschenfreundliche und bewegende zugleich. Leichter wäre es für sie, in Moab zu bleiben, wo sie Bekannte hat, Freunde, Verwandte. Doch sie verspricht ihrer Schwiegermutter, bei ihr zu bleiben und mit ihr zu gehen in ein für sie fremdes Land, mit einer anderen Religion, mit anderen Sitten und Grbräuchen und wahrscheinlich sogar mit einer anderen Sprache.


Die Geschichte von Rut ist eine Flüchtlingsgeschichte und eine Geschichte des Neuanfangs.
Sie sagt zu ihrer Schwiegermutter diese bekannten Sätze, die oft als Trauspruch ausgesucht werden; auch wenn die meisten Brautpaare diese Verse einfach aus dem Internet ziehen und gar nicht wissen, dass sie eigentlich von einer Frau zu ihrer Schwiegermutter gesagt werden.


" Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden."

Was für große, berührende Worte! Sie klingen wie eine erweiterte und ins Pathos überhöhte Version eines Trauversprechens.

" Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden."

Die Moabiterin Rut verspricht sich ihrer Schwiegermutter. Sie ist bereit, an ihrer Seite ein ganz neues Leben zu beginnen. Und offensichtlich hat sie sich bereits intensiv auch mit dem Glauben der Noomi beschäftigt und ist willens, ihren Glauben an Gott, an Jahwe, an den einen, wahren Gott für sich anzunehmen.

Und so geht sie mit ihr nach Juda, nach Bethlehem. Und die Geschichte geht weiter wie in einem Rosamunde-Pilcher-Film: Ein Mann namens Boas verliebt sich in Rut. Er ist ein weitläufiger Verwandter der Noomi. Trotz eines komplizierten Rechts im alten Israel, wer welches Land besitzen und erwerben darf, kann Boas das alte Land der Noomi kaufen und für sie, seine neue Frau Rut und sich sorgen. Rut bekommt einen geliebten Sohn mit Namen Obed, der später der Vater von Isai wird, der - wie wir alle wissen - der Vater von David wird, dem größten aller Könige Israels.
Und das letzte Bild aus dem Buch Rut ist, wie Rut und Boas geheiratet haben und Noomi voller Glück das neugeborene Kind, sozusagen als Tagesmutter, auf dem Schoß hält, reich und gut versorgt.

Die Geschichte der Rut ist wirklich eine zu Herzen gehende. Sie handelt von Hunger, Flucht, Abschied, erneute Flucht, Neubeginn, Liebe, Besitz und der Suche nach Glück, das schließlich auch gefunden wird. Und sie handelt -wie ich schon angedeutet habe - von starken Frauen und verliebten Männern.
Und sie handelt von Gott. Doch ist es bei dem Buch Rut nicht so, wie in vielen anderen Büchern des Alten Testamentes, dass Gott die Geschicke bestimmt. Hier sind es die Menschen, die handeln, die entscheiden, die aktiv sind, aber immer mit dem Glauben an Gott im Herzen. Und auch, das müsste vielen von uns bekannt vorkommen, mit dem Zweifel der Menschen, dass Gott es wirklich gut mit ihnen meint.
Was aber nun trägt diese Geschichte der Rut für uns Männer und Frauen heute noch aus, außer, dass sie gute Unterhaltung, interessante Literatur darstellt und den emanzipatorischen Frauen eine Möglichkeit bietet, die Stärke der Frauen der Bibel zu thematisieren?

Ich bin bei meinen längeren Überlegungen zu dieser Frage auf zwei Punkte gekommen:

1)
Rut ist Vorbild für uns alle. Sie ist Vorbild, weil sie nicht nur an sich denkt, sondern das Glück der anderen will und dafür bereit ist, zu verzichten und Risiken einzugehen. Und sie ist Vorbild in ihrer Konsequenz, in ihrer Entscheidungsfähigkeit. Es gibt Menschen, die enthalten sich bei allen Abstimmungen. Als Rut mit ihrer Schwester, die sich anders entscheidet, und ihrer Mutter an der Grenze zwischen Moab und Juda steht, gibt es keine Enthaltung, sondern nur Ja oder Nein. Jesus sagt an einer Stelle im Neuen Testament: "Eure Rede sei Ja oder Nein. Was darüber ist, das ist vom Übel!"In einer Zeit, so scheint es mir, in der Menschen vor allem ihre Ruhe haben wollen und mit von allem ein bisschen sich irgendwie durchs Leben lavieren wollen, mit ganz vielen ja, vielleicht, Jains und mal sehen, was die anderen machen, erscheint Rut als leuchtendes Beispiel für konsequentes Handeln. Sie entscheidet sich ja auch nicht nur dafür, ihrer Schwiegermutter zu folgen, sondern sie entscheidet sich ja auch ohne wenn und aber für Gott!

2)
Gottes Reich kennt keine Grenzen. Rut überschreitet eine Grenze. Sie überschreitet die Grenze zwischen Moab und Juda und sie überschreitet die Grenze zu einem neuen Glauben an den einen, wahren Gott. Auch der römische Hauptmann im heutigen Evangelium, ein Römer, ein Heide, ein Feind, ein Besatzer, überschreitet gleich mehrere Grenzen und wendet sich hin zu Jesus, dem Messias. Dadurch wird ausgrechnet er zum Vorbild im Glauben. Gott lädt sie alle ein zu einem neuen Leben, die heidnische Moabiterin Rut und den heidnischen römischen Hauptmann. Dabei ist nicht die Vorgeschichte eines Menschen entscheidend, nicht die Herkunft, nicht das Aussehen, nicht das Geschlecht, nicht die Vergangenheit eines Menschen. Es ist nie zu spät zur Veränderung. Es ist nie zu spät zur Grenzüberschreitung. Es ist nie zu spät zu einem neuen Leben mit Gott. Rut findet eine neue, bleibende Heimat in Bethlehem und sie findet eine neue Heimat im Glauben an Gott, weil sie in einer Grenzerfahrung eine Entscheidung getroffen hat.Haben wir uns wirklich schon für Gott entschieden oder sind wir noch bei dem Vielleicht?

Lasst uns die Einladung unseres Herren nicht ausschlagen und treffen wir die richtige Entscheidung. ER hat gesagt: "Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes."


Ich würde gerne dazu gehören, mit euch zusammen, Amen.







Predigt zum Sonntag Kantate, 10.05.2020 von Pastor Ralf Halbrügge

Online-Predigt am 10.5.2020 - "Kantate"

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, Amen.

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

heute, am 10. Mai, ist der Sonntag Kantate. Das bedeutet: "Singet". Da ist es fast schon skurril, dass ab heute wieder Gottesdienste erlaubt sind, uns aber das Singen im Gottesdienst verboten, sagen wir, davon abgeraten wurde. Vielleicht dürfen wir ja leise singen... Können Sie sich einen Gottesdienst ohne Gemeindegesang vorstellen? In unserer Gemeinde - wie auch in Petri und Paulus - beginnen wir ja ohnehin erst nächsten Sonntag. Das ist dann der Sonntag "Rogate". Das bedeutet "Betet" und das Beten ist meines wissens bis jetzt noch nicht verboten.

Das Corona-Virus und die Folgen bringen wirklich eigenartige Handlungsempfehlungen mit sich und ich bin sehr gespannt, wie sich unser Gottesdienstleben - wie überhaupt unser Gemeindeleben - in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt.

Für mich gibt es drei wesentliche Dinge für die Ausgestaltung meiner christlichen Existenz: Das Lesen und Hören des Wortes Gottes, der Bibel, das Beten und den Gesang, die Musik.

In den Liedern, die wir singen, drücken sich unsere Emotionen aus. Wir haben Lieder für fröhliche Tage, die unsere Freude noch verstärken und wir haben Lieder für traurige Tage, die uns zum Weinen bringen. Lieder begleiten uns unser Leben lang und mir tun die Menschen leid, die mit Gesang und Musik nichts anfangen können. Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott durch die Musik zu uns spricht. Das kann, aber muss ja nicht immer Johann Sebastian Bach sein, das kann in meinem Fall auch ein Song von Johnny Cash oder etwas anders sein. Gerade gestern habe ich die Sinfonie Nr. 9, "Aus der neuen Welt", von Antonin Dvorak gehört, die mich, obwohl schon so oft gehört, immer wieder zu Tränen rührt, auch wenn sie vordergründig nichts mit Gott zu tun hat.

Musik kann uns begeistern, Verspannungen lösen, Lasten leichter werden lassen und uns auf eine Ebene führen, die wir intellektuell nicht mehr erfassen können. Und alle Studien belegen, dass Menschen, die regelmäßig Musik hören oder -  noch besser - regelmäßig singen, glücklichere Menschen sind. Das gilt natürlich nicht für jede Musik, aber angeblich wirkt es sich auf die charakterliche Entwicklung eines Menschen positiv aus, wenn er schon im Bauch der Mutter Mozart vorgepielt bekommt. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber es ist eine schöne Geschichte, an die ich glauben möchte.

Heute also ist der Sonntag "Kantate" und vielleicht können Sie ja heute zuhause, im Garten oder im Wald, mal wieder laut singen. Singen befreit.

Auch in dem Predigttext, der für den 10. Mai in diesem Jahr vorgeschlagen wurde, geht es um das Singen und um Musik. Es wird im 2. Buch der Chronik im Alten Testament über die Einweihung des Tempels vor etwa 3000 Jahren in Jerusalem berichtet. Ich erspare Ihnen hier die historischen Einzelheiten. Nur so viel: Unter dem großen König David wurde der Tempel in Jerusalem, der "Ort, an dem Gott wohnt", geplant, doch zur Vollendung kam der Bau des Tempels dann erst unter seinem Sohn Salomo. Die Einweihung des Tempels war ein Großereignis, ein Glaubensfest. Hatten die Gläubigen vorher die sogenannte "Stiftshütte", die groß, aber transportabel war, in der liturgische Feiern Gott zur Ehre abgehalten wurden, bekam sie nun mit der großen Tempelanlage auf dem Berg Zion einen Ort, in dem die "heiligen Geräte", wie z.B die "Bundeslade" mit den 10 Geboten auf zwei Steintafeln, aufbewahrt werden und Gott angebetet und verherrlicht werden konnte.

Unser Predigttext beschreibt nun die Einweihungsfeierlichkeiten, 2. Chronik 5,2-5.12-14:

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.
3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird.
4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf
5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
...
12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.
13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke,
14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.  

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

alles, was Rang und Namen hatte, war damals versammelt. Alle waren auf den Beinen und die Menschen feierten ein großes Glaubensfest. Alle haben sich zur Ehre Gottes schick gemacht, es wird gesungen, Musik erfüllt den Raum, 120 Priester spielen die Trompeten. Und in Vers 13 lesen wir: "Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn." Es herrschte Einigkeit, Gemeinschaft, man sang mit einer Stimme. Und das Haus wurde erfüllt von der "Herrlichkeit des Herrn". Durch die Musik, durch den Gesang, durch die Gebete, spürten und erlebten die Menschen damals die Anwesenheit Gottes im Tempel. Es muss für jeden anwesenden Gläubigen ein wunderbares, großartiges Ereignis gewesen sein.

Gott kommt zu den Menschen und fast scheint es so, als hätte Gott sich damals durch die wunderbare Musik, durch den harmonischen und schönen Gesang anziehen lassen und mitgefeiert.

Ihr Lieben,

bis wir wieder große Glaubensfeste feiern können, wird es noch eine Zeit dauern. Ich denke z.B. an das Kreisposaunenfest bei uns im nächsten Jahr. Wenn wir jetzt in den nächsten Wochen wieder Gottesdienste feiern, werden sie kleiner sein, bescheidener, unter Auflagen. Wenn aber unser Gesang schon leise sein muss, auf ein Minimum reduziert, dann darf aber die Orgel umso lauter gespielt werden, dann darf aber unser Gebet umso intensiver sein, dann darf aber unsere Verkündigung umso klarer sein, dann darf aber unsere Gemeinschaft umso fester sein.

Ich freue mich - trotz allem - darauf, wieder Gottesdienste feiern zu können, zur Ehre Gottes. Am Ende kommt es ja auch nicht auf die Lautstärke an, sondern darauf, ob wir mit dem Herzen feiern und bereit sind, uns für Gott zu öffnen und ihn in unser Leben zu lassen.

Lasst uns zusammen das Beste aus dieser Situation machen, geben wir Jesus Christus die Ehre, in den Gottesdiensten in unserer St. Marienkirche, zuhause vor den Fernsehgottesdiensten, in stillen Gebeten in den Zimmern oder Kirchen und in der Art und Weise, wie wir unseren Alltag als Christen gestalten.

Vielleicht hören Sie heute, am Sonntag "Kantate", schöne Musik, singen allein oder mit ihrer Familie, beten, sagen Gott einfach das, was Sie bewegt, oder genießen den Garten und die Natur. Auch dabei kann die Herrlichkeit des Herrn Ihnen begegnen. Ich wünsche es Ihnen!

Gott segne und beschütze Sie, Amen.

Allen Müttern wünsche ich einen gesegneten Muttertag!  

Kantate, 10.05.2020

Pastor Ralf Halbrügge

Unsere nächsten Gottesdienste


Gottesdienste

Aufgrund der aktuellen Situation sind alle Gottesdienste nur unter Vorbehalt eingetragen. Änderungen sind somit jederzeit möglich. Aktuelle Informationen finden Sie auch auf unserer Startseite oder in der Tagespresse. Im Gottesdienst sind die Hygiene- und Abstandsregelungen sowie die Maskenpflicht (FFP2) einzuhalten.

Jahreslosung für das Jahr 2021 aus Lukas 6,36

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!


Alle Gottesdienste anzeigen

Unsere Gruppen und Kreise

Die wichtigsten Informationen zu den Gemeindekreisen der Marien-Kirchengemeinde finden Sie hier.
[bitte weiterlesen ...]

Ihre Ansprechpartner

Die Ansprechpartner aus unserer Marien-Kirchengemeinde finden Sie hier.
[bitte weiterlesen ...]

Gottesdienste

Hier erfahren Sie, wann und wo die nächsten Gottesdienste der Marien-Kirchengemeinde stattfinden.
[bitte weiterlesen ...]

DIEWERBEREI